Erntedank

Sehr geehrte Frau Bischöfin Fehrs,
Sehr geehrter Herr Pastor Diercks,
Sehr geehrter Herr Staatsrat Sevecke, Sehr geehrte Frau Becker,
Verehrte Festgemeinde,
Liebe Landfrauen, liebe Bauern und Gärtner,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Herzlichen Dank an den Hamburger Landfrauenverband für die Organisation zur Übergabe der Erntekrone an die Stadt Hamburg. Mein besonderer Dank geht an die Curslacker Landfrauen, die in diesem Jahr die Erntekrone gebunden haben und die Tradition bewahren.

Das Erntedankfest erinnert uns an die Abhängigkeit der Menschen von der Natur. In diesem Jahr besonders, denn die Dürre sorgt in vielen Landwirtsfamilien für teilweise existenzbedrohliche Zustände. Eine Getreideernte, die um 1/3 kleiner ausgefallen ist und Grünlanderträge von 50% werden dazu führen, dass Berufskollegen nicht alle Tiere ausreichend ernähren können. Wo kein Futterzukauf möglich ist, müssen Tiere geschlachtet werden.

Und dennoch sollten wir dankbar sein, für das, was uns gut Gelungen ist und noch mehr dafür, dass die Dürre bisher in Hamburg eine Ausnahme ist und das wir noch oft auch reiche Ernten einfahren dürfen.

Nachdenklich werden wir, wenn Güter knapp werden, wenn nicht alles zu jeder Zeit verfügbar ist. Dennoch sind die Regale im Supermarkt auch nach langer Phase der Trockenheit und Hitze gut gefüllt und die Preise gleichbleibend niedrig. Wenn heutzutage im Supermarkt geerntet wird und wenn wie immer alles da ist, geht die Demut für die Gaben der Schöpfung verloren. Dies trägt in hohem Maße dazu bei, dass die Wertschätzung nicht nur für die Lebensmittel, sondern auch für die Erzeuger und Erzeugerinnen immer geringer wird.

18 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall produzieren wir in Deutschland jedes Jahr. Achtlos werfen wir wertvolle Lebensmittel in den Müll, den größten Anteil daran haben alle als Verbraucherinnen und Verbraucher. Mehr Wertschätzung für Lebensmittel und damit auch für die Erzeuger und Erzeugerinnen fordern anlässlich des Erntedank 2018 in ihrer gemeinsamen Erklärung der deutschen Landfrauen der evangelische Dienst und der Deutsche Bauernverband.

Die deutsche Landwirtschaft erzeugt qualitativ hochwertige, sichere und gesunde Nahrungsmittel. Das ist für alle selbstverständlich! Die Standards für Qualität, Sicherheit, Umwelt- und Tierschutz sind im weltweiten Vergleich auf sehr hohem Niveau festgesetzt. Diese Leistungen haben ihren Preis. Durch verstärkten Einkauf regionaler und saisonaler Produkte können Verbraucherinnen und Verbraucher heimische Bauernfamilien unterstützen und auch in Krisenzeiten deren Existenz sichern.

Wir brauchen informierte Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst einkaufen und über hauswirtschaftliche Kompetenzen verfügen. Denn durch planvolles Einkaufen, gutes Lagern sowie Freude und Ideenreichtum beim Kochen können viele Tonnen Lebensmittelabfälle vermieden werden.

Dabei steigt auch die Wertschätzung für die Lebensmittel und die Erzeugerinnen und Erzeuger. Mit unseren Einkaufsverhalten bestimmen wir welche Produktionsformen wir unterstützen wollen und ob die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland eine Zukunft hat. Dazu zählt die Bereitschaft, für Lebensmittel wieder mehr Geld auszugeben.

Bäuerinnen und Bauern wissen, dass die Erträge trotz technischer Unterstützung nicht planbar sind. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher dieses Wissen teilen, den hohen persönlichen Einsatz und das finanzielle Risiko bei der Produktion kennen, werden auch sie dankbar für die Ernte sein. Sie werden sich mitfreuen, wenn sie gut ist und klagen wie in diesem Jahr, wenn es zu Ausfällen gekommen ist. Unsere Landwirtsfamilien bestellen derweil weiter ihre Äcker, in der Hoffnung auf eine bessere Ernte in 2019.

Das Erntedankfest ist für Christen von großer Bedeutung, auch in diesem Jahr mit Trockenheit. Da kann das fröhliche Danken unter Umständen schwerfallen. Dennoch Danke für eine kleine Ernte, sie ist auch eine Ernte.

Danke!

Martin Lüdeke
(Präsident des Hamburger Bauernverbands)