Trockenheit in Norddeutschland

Die Auswirkungen dieses extrem trockenen und heißen Sommers auf die Ernteerträge der deutschen Landwirtschaft haben in diesem Jahr vor allem im Norden und Osten des Landes zu Verlusten in Milliardenhöhe führen. Zur Recht hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Ruckwied in Rücksprache mit den Landwirtschaftsministern der Länder eine Milliardenhilfe für die Landwirte eingefordert, deren Existenz massiv bedroht ist.

Mittlerweile haben unsere neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sowie die Ministerien der Länder umfangreiche Hilfen zugesagt. Martin Lüdeke, der Präsident des Bauernverbandes Hamburg begrüßt diese Hilfen: „Wenn diese Betriebe durch die Dürre in ihrer Existenz bedroht sind, dann muss Ihnen geholfen werden“. Gleichzeitig betont er aber auch, dass die große Mehrzahl unserer Hamburger Betriebe glücklicherweise mit einem blauen Auge davon zu kommen scheint. In einem Brief an seinen „Freund“ und jetzigen Bundesfinanzminister Olaf Scholz fordert Lüdeke vor allem eins: „Wir Bauern brauchen jetzt Hilfe zur Selbsthilfe und eine nachhaltige Antwort auf Herausforderungen des Klimawandels und anderer Risiken“.

Präsident Lüdeke kennt die Hamburger Agrarwirtschaft nur zu gut, schließlich betreibt er selber einen Hofe mit Mutterkuhhaltung, Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung. „Natürlich liegen auch bei uns die Erträge im Ackerbau erneut mit bis zu 40% unter dem langjährigen Durchschnitt. Durch höhere Preise und besser Qualitäten erwarten wir aber ein besseres Ergebnis als in 2017. Beim Grünland kam es zu erheblichen Ausfällen, der zweite und dritte Schnitt ist total ausgefallen, und folglich ist das Futter für unsere Tiere schon jetzt knapp. Der Zukauf von Futter alleine bedeutet aber keine unmittelbare Existenzgefährdung, ein gesunder Betrieb kann diese Schwankungen kompensieren. Die vielen pferdehaltenden Betriebe können die erhöhten Futterkosten in der Regel anteilig an die Eigentümer weiterleiten. Die Obstbauern im Alten Land erwarten eine gute Ernte bei hervorragenden Qualitäten. Im Gemüsebau zeigt sich dagegen ein sehr unterschiedliches Bild. Dort wo im Freiland bewässert werden konnte, wurden bei der Hauptkultur Salate gute Erträge bei steigenden Preisen erzielt. Wärmeliebende Kulturen wie Zucchini oder Gurken konnten dagegen nur zu schwachen Preisen abgesetzt werden. Alle Gewächshauskulturen haben unter den hohen Sommertemperaturen gelitten. Das in 2018 sehr salzhaltige Gießwasser hat zu erheblichen Mindererträgen z.B. bei Gurken und Tomaten geführt. Schnittblumen konnten bei Temperaturen von über 30 °C so gut wie gar nicht vermarktet werden, was aber im Sommer keine große Überraschung ist.“

Aber das hat alles nur indirekt etwas mit der aktuellen Dürre dieses Sommers zu tun. Schon immer muss sich die Landwirtschaft mit Wetterkapriolen, Krankheiten, Seuchen und schwankenden Märkten auseinandersetzen. In Wohlstandsgesellschaften wie wir sie in Deutschland vorfinden kommt dazu der immense öffentliche Druck und die Hinterfragung unserer Produktionsmethoden hinzu. Auf dem diesjährigen Deutschen Bauerntag in Wiesbaden hat es unsere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in ihrer Antrittsrede treffen beschrieben: „Wenn es um das Thema Landwirtschaft geht, besteht Deutschland auf einmal aus 80 Millionen Agraringenieuren!“. Trotz aller Medienkritik und dem permanenten Rasseln der NGOs steht der Beruf des Landwirts ganz oben in der Rangliste der vertrauenswürdigsten Berufe. Nach wie vor entscheiden sich jedes Jahr tausende von Jugendlichen für eine Ausbildung zum Landwirt, Gärtner oder sonstigem grünen Beruf.

Die Zukunft sieht Lüdeke weniger schwarz wie viele seiner Berufskollegen: „Der hohe Ausbildungsgrad unserer Bauern und Gärtner stimmt mich optimistisch, dass wir all diesen Krisen weiterhin strotzen werden. Die deutsche Landwirtschaft ist innovativ, hochmodern und bekennt sich zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.“ Mit Herzblut setzt er sich für das freie Unternehmertum und die freie Marktwirtschaft ein: „Die bäuerlichen Familienbetriebe stehen zu ihrer unternehmerischen Verantwortung und nehmen das Risiko von Mindererträgen und schlechten Preisen selbstverständlich in Kauf. Kein Bauer möchte als Bittsteller für öffentliche Gelder dastehen. Dieses widerspricht zutiefst unserem Selbstverständnis als freier Unternehmer. Die letzten Jahre zeigen aber auch, dass gerade die Landwirtschaft zunehmend von existenzbedrohenden Ereignissen heimgesucht wird, exemplarisch möchte ich nur die Milchpreiskrise und den frostbedingten Totalausfall der mittel- und süddeutschen Obsternte in 2017 nennen. Mit der afrikanischen Schweinepest ASP steht bereits die nächste Katastrophe vor der Tür. Gerade die Milchkrise hat gezeigt, dass gut gemeinte staatliche Hilfen oft viel zu spät und durch das Gießkannenprinzip auch in viel zu geringer Höhe bei den Betrieben ankommen. Wir wollen nicht gerettet werden, sondern uns selber retten. Damit dafür die Rahmenbedingungen passen, setzen wir uns intensiv als Bauernverband ein.

Konkret fordert der Bauernverband Hamburg, dass endlich die Möglichkeit einer mehrjährigen Risikoausgleichsrücklage über die Gewinnglättung bei der Steuererklärung für die landwirtschaftlichen Betriebe geschaffen wird. Dies ist in der Forstwirtschaft schon längst gängige Praxis.

Die Option einer staatlich geförderten Risikoversicherung steht der BVHH eher skeptisch gegenüber. Nach allen Erfahrungen sind diese Versicherungen erheblich zu teuer und letztendlich profitieren nicht die Landwirte, sondern alleine die Versicherungsgesellschaften von einer derartigen Regelung.

Dagegen fordert Martin Lüdeke eine deutliche Verbesserung des Wassermanagements in Gebieten wie den Vier- und Marschlanden oder dem Alten Land vor. Dies impliziert auch eine Erlaubnis für die Beregnung der Obstanlagen in den Sommermonaten. Auch die Wasserqualität muss dringend verbessert werden. Gerade in diesem Jahr wird durch die Tide das Meerwasser bis weit in das Landesinnere transportiert. Die Obstbäume zeigen deutliche Verbrennungsschäden am Laub, Gewächshauskulturen wie Gurken und Tomaten stellen aufgrund des hohen Salzgehaltes im Gießwasser ihr Wachstum ein. Hier sind innovative Lösungsansätze gefordert.

Des Weiteren sollten mit stattlichen Gelder bevorzugt in innovative Anbauverfahren und moderne Bewässerungstechniken gefördert werden. Dazu gehört auch der Einsatz moderner Züchtungsmethoden z.B. bei der Suche nach stressresistenten Pflanzen.

Konkret fordert der Hamburger Bauernpräsident: „Wie nahezu alle meine Berufskollegen bin ich der festen Überzeugung, dass die Landwirtschaft selbst mit Innovationen, modernen Züchtungsmethoden und neuen Kulturverfahren auf die beschriebenen Herausforderungen reagieren muss. Damit dies nachhaltig und im nötigen Umfang geschieht, bedarf es erheblicher Investitionen sowohl in der Forschung als auch in der Ausstattung der Betriebe. Hierfür wünschen wir uns zukunftsorientierte und nachhaltig wirksame Förderprogramme durch die Länder und den Bund.“